Zeitweilige Übergangsregelung für die ständige Teilnahme am CSD! (Teil 3)

18/11/2014 — Hinterlasse einen Kommentar

Zeitweilige Übergangsregelung für die ständige Teilnahme am CSD!

 

Abschnitt 3

§ 4. Vergehen an der Community

Die bereits erwähnte (Hetero-)Medienanalyse wird zu einem späteren Zeitpunkt vollständig zur Verfügung gestellt. Sie muss noch zusammengefasst werden. Exemplarisch für die unmittelbare Berichterstattung zum CSD Berlin 2014 teile ich hier den Bericht aus der rbb-Abendschau der recht umfassend illustriert, wie die (Hetero-)Medien den Streit, seine Bedeutung, die CSD-Inhalte und die Community wahrgenommen haben. Ebenfalls exemplarisch ist in diesem Bericht der Umgang der Community miteinander bzw. Anspruch und Wirklichkeit – bildlich in Szene gesetzt mit dem Interview der amtierenden Miss CSD Jurassica Parka, die nach ihrem inbrünstig Appell „Lasst uns alle wieder liebhaben“ in den szeneüblichen Umgangston verfällt (ab Position 2:27).

Ein entscheidender Faktor im Berliner CSD-Streit 2014 war die versammelte Homo-Presse, die anders als die Hetero-Presse noch kräftig oben drauf schlug. Das bizarre: Desto höher der selbstgewählte politische und journalistische „Anspruch“, desto tendenziöser, unjournalistischer und absurder die „Berichterstattung“. Nur die „kommerzielle“ blu berichtete kritisch, rief alle Seiten zur Räson und veranstaltete gemeinsame Streitgespräche. Der CSD e.V. bekam genauso sein Fett ab, wie die anderen Streitparteien. Siegessäule, queer.de, Männer & Co. waren vor allem eins: Meinungsstark, bedeutungsschwanger, skandalträchtig, recherchefaul und analyseschwach, aber immer die Auflage- und Klickzahlen im Blick! Die BILD lässt grüßen. Das fiel sogar Außenstehenden auf und hatte Folgen. Als die Siegessäule mich im Juni 2014 indirekt zum „Antichristen“ adelte – den Teil fand ich übrigens sogar ganz witzig, im weiteren Umfeld der Community kamen die Tiraden nicht so gut an – machte sogar das Party-Team von Bob Young vom GMF ihrem Unmut in einem öffentlichen Brandbrief Luft. Und einige Community-Organisationen entschlossen sich erst zur Teilnahme am „großen“ CSD, nachdem Verantwortliche des Aktionsbündnisses und die Homomedien Gerüchte über deren Absage in die Welt gesetzt hatten. Politische Manipulation und Nötigung sind keine gute Startvoraussetzung für einen „besseren“ CSD. Queer.de hatte als einziges Homo-Presseorgan wenigstens den journalistischen Anstand, die fleißig verbreiteten Gerüchte und Unterstellungen nach Veröffentlichung des Berichts der Transparenzkommission richtig zu stellen.

Weniger dramatisch waren die Falschdarstellungen und Uminterpretationen einzelner Aussagen von CSD-Verantwortlichen. Die zugegeben trotzige und ungeschickte Rede eines CSD-Vorstandsmitglieds mit dem Tenor „Die Community steht seit 10 Jahren still und hat versagt,“ wurde von Vertreter_innen anderer Vereine als arrogante, belehrende und unverschämte Besserwisserei abgekanzelt, ohne sich mit den Inhalten auseinander zu setzen. Ein anderes Vorstandsmitglied ließ sich bei einer Pressekonferenz zur Aussage „der Umgang mit der Community ist wie einen Sack Flöhe hüten“ hinreißen, was in „die Community ist dem CSD lästig“ uminterpretiert wurde. Als ich sagte, dass „der CSD e.V. von den Gründungsvereinen (Anm: LSVD, Sonntagsclub, Mann-o-Meter) unabhängig ist und sich von ihnen abgenabelt hat“ wurde das zu: „Die Community ist dem CSD scheißegal!“ Und meine Aussage „der CSD Verein ist 16 Jahre alt, also in der Pubertät und rebellisch,“ wurde zu: „Der CSD will Stunk machen.“ Den Aussagen wurde erst durch soziale Medien die gewisse Würze verliehen. Nun gut, jede_r hört das, was er/sie hören will; ein typisches CSD-Wahrnehmungsphänomen.

Dabei hat sich anscheinend irgendwo im Lauf der queeren Bewegung der Eindruck festgesetzt, dass der CSD – nämlich die Veranstaltung – eine Harmonie und Einigkeit eines Ideal-CSDs hervorbringen MUSS, die es in Wirklichkeit und an den restlichen 364 Tagen im Jahr gar nicht gibt, und dass der CSD – nämlich der Verein – diese Harmonie mit einer Mischung aus Diplomatie, Entgegenkommen, Überzeugungsarbeit und gleichzeitiger Härte und Unnachgiebigkeit durchzusetzen hat. Der CSD, wie er sich heute in der ganzen Welt manifestiert, bildet ziemlich genau die jeweilige Community ab. Dazu gehören in Berlin sowohl ehrlich engagierte Einzelpersonen und Gruppen (aus Vereinen, Initiativen, der Szene und aus Unternehmen), politisch motivierte Demonstrant_innen, kreative satirisch-bissige Beiträge, als auch die versoffenen, verdrogten Partyhuschen, gaffende Heteros mit Handycams um Fotos vom „schrillen“ Volk zu machen und selbstdarstellerische Teilnahmen von einigen Vereinen, Parteien und Unternehmen, die den CSD als Marketingplattform sehen und den CSD mit fetter Werbung für die eigene Einrichtung, für Mitglieder, Spenden, Veranstaltungen, für die nächste Wahl, für ein Produkt oder eine Leistung oder für die Imagepflege instrumentalisieren. Diese Werbung und andere Exzesse versucht der CSD e.V. zu beschränken. Die Kostenumlagen für die Teilnahme sind sozial gestaffelt und kleine Gruppen werden direkt vom CSD e.V. unterstützt um überhaupt teilnehmen zu können, aber selbst der kompetenteste, klügste CSD-Verein kann sich keinen eigenen CSD backen. Beim CSD ist immer das drin, was die Community reinmischt.

 

Lesen Sie morgen: Auswirkungen und Wahrnehmung…

P.S.: Aufgrund von Rückmeldungen wurde die Länge jedes Abschnittes auf einen Paragraph pro Tag verkürzt.

Links: Abschnitt 1Abschnitt 2

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