Zeitweilige Übergangsregelung für die ständige Teilnahme am CSD! (Teil 2)

17/11/2014 — Hinterlasse einen Kommentar

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CSDPolitbüro1

Zeitweilige Übergangsregelung für die ständige Teilnahme am CSD!

 

Abschnitt 2

§ 2. Begriffsinterpretation

Bevor das voran gesagte in der Schwarm-Intelligenz des Internets aufgeht, die Facebook-Trolle und Couch-Aktivist_innen noch mehr Zeit und Energie in weitere haarsträubende Interpretationen investieren und die Vertreter_innen der politischen Verbände und Parteien dem voran geschriebenen ihren „Spin“ verleihen, möchte ich eines klarstellen: Die hier formulierte, persönliche Einschätzung soll den Streit nicht klein- oder schönreden, im Gegenteil. Die Kosten, die vor allem der CSD e.V., einige Vorstandsmitglieder und ich persönlich in Kauf nehmen mussten, waren viel zu hoch. Umgekehrt wohnte dem Streit jedoch auch nicht die weltzerstörende Kraft inne, die ihm in den sozialen Medien und der Homo-Presse in sich steigernder Form zugeschrieben wurde: das CSD-Drama, das Debakel, die Katastrophe mit wortgewaltigen und apokalyptischen Zuschreibungen, geprägt vom szeneüblichen Hang zu Superlativen. Alle waren von dem Streit genervt – Beteiligte wie Außenstehende –, die Stimmung der Funktionäre beim CSD war entsprechend schlecht. Weltuntergang ist das keiner.

Das Problem bei CSD-Streitigkeiten ist generell, dass es kaum neutrale Beobachter_innen in der Community gibt. Jede_r hat irgendwelche eigenen Interessen, die den Streit, die Wahrnehmung und auch die eigene Position beeinflussen. Vereine, Parteien, die Szenegastronomie und Partymacher_innen, selbst die Homo-medien haben unmittelbare finanzielle oder werbliche Interessen. Und die meisten Einzelpersonen in der Community haben eine (vorgefertigte) Meinung zum CSD, die sowohl die Wahrnehmung des CSD als auch die Diskussionen darüber färbt. Die Motive und Interessen von Beteiligten und Beobachter_innen aus der Community sind zu unterschiedlich, zu persönlich und zu komplex für einen wirklich objektiven Zugang. Deshalb werde ich versuchen, die Aussagen dieses Artikels durch entsprechende Beispiele oder Nachweise zu belegen oder zu erklären, aber schlussendlich bleiben auch diese Zeilen eine subjektive Einschätzung der Geschehnisse.

Das Positive zuerst: Der CSD-Streit 2014 hatte ein enorm wichtiges und unschätzbar wertvolles Ergebnis, das nur wenigen bisher aufgefallen ist: Weite Teile der Community interessieren und beteiligen sich jetzt – nach dem CSD-Streit – erstmals wieder aktiv an der Diskussion. So bitter das für alle Beteiligten beim CSD e.V. – besonders für den Vorstand und für mich – sein mag, der Versuch die Community mit der Umbenennung aus ihrer Lethargie aufzuwecken – CSD-intern als „Big Bang“ bezeichnet – ist gescheitert; Gleichzeitig hat der absurde Machtkampf, der eigentlich gar nichts mit der Umbenennung zu tun hatte, einen Big Bang (dt.: Urknall) ausgelöst, den etliche Protagonist_innen noch nicht einmal erkannt haben und der viel grundlegendere, effektivere und hoffentlich auch nachhaltigere Veränderungen mit sich bringen wird, als dies der geplante Namenswechsel je erreicht hätte.

Ein weiteres positives Ergebnis zeigt vor allem die quantitative und qualitative (Hetero-)Medienauswertung des CSD Berlin 2014. Dort ist der Streit zwar präsent aber nicht dominierend und die mediale Präsenz von inhaltlichen Themen – von den Stonewall Aufständen über das Uniformverbot der Brandenburger Polizei, die Situation in Russland und Uganda, dem Blutspendeverbot für schwule Männer – zeigt, dass trotz der Streitigkeiten zumindest die Heteromedien ihrer journalistischen Berichts- und Aufklärungsfunktion nachkamen; und zwar in bisher nie dagewesener bundesweiter Verbreitung. Das hatten wir nicht erwartet und das soll keinesfalls als Anreiz missverstanden werden, die Geschehnisse aus diesem Jahr zu wiederholen. So zynisch bin nicht einmal ich, und es ist sowieso fraglich, ob sich dieser Effekt wiederholen ließe. Das ist lediglich die Feststellung einer unvorhergesehenen und überraschenden positiven Wirkung.

In einem Punkt scheint Einigkeit zu herrschen: Das was 2014 passierte und wie es passierte, darf sich nicht wiederholen. Dabei ist Einigkeit das wohl seltenste Phänomen in der durch und durch zerstrittenen Community der Bundeshauptstadt, besonders rund um den CSD. Als im Jahr 2006 vom CSD Forum das Motto „Einigkeit und Recht und Freiheit“ als Provokation der bürgerlichen Parteien gewählt wurde, war das Geschrei groß, allerdings vor allem im linken Lager. Der alternative Teil der Community verlangte damals vom CSD-Vorstand die Aufhebung des „Nazi-Mottos“ und eine Aushebelung des CSD Forums. Der Vorstand veranstaltete stattdessen eine Podiumsdiskussion und berief ein erneutes Forum ein, denn das Forum ist für die Mottowahl zuständig nicht der Vorstand. Dort wurde das Motto zu „Verschiedenheit und Recht und Freiheit“ geändert, womit nicht nur der Pepp und die Provokation sondern auch die Einigkeit als Begriff getilgt wurde.

In der Praxis gab es sie sowieso nicht – die Einigkeit –, zu unterschiedlich waren und sind die Positionen von Schwulen und Lesben, Konservativen und Alternativen, Assimilations- und Revolutionshomos, Jungen und Alten, Partyanhänger_innen und Politdemonstrierer_innen, Tourist_innen und Berliner_innen; Community eben. Den CSD dafür verantwortlich zu machen ist die klassische Umkehr von Ursache und Wirkung und irgendeinem CSD e.V. die alleinige Macht zuzusprechen, einen solchen Riss zu verursachen oder ihn zu kitten, mag zwar – je nach Perspektive – schmeichelhaft oder praktisch sein, hat aber rein gar nichts mit den realen Einflussmöglichkeiten zu tun. Die Streitigkeiten treten jedes Jahr zum CSD – nicht nur 2014 – in der Öffentlichkeit zu Tage, weil der CSD die Veranstaltung mit der größten (Hetero-)Medienpräsenz und Öffentlichkeit ist. Dass der CSD e.V.  natürlich sein Scherflein zu jedem Streit beiträgt, weil er zwangsläufig immer Teil der Streitereien rund um den CSD ist. liegt in der Natur der Sache. Allein zum Streiten braucht es mehr als einen Verein. Konkrete Beispiele finden Sie in den folgenden Tagen unter § 7. Regelungen für Streitfälle.

§ 3. Schuldhaftes Verhalten

Was mich persönlich an dem Streit in diesem Jahr wirklich gestört und ab einem gewissen Punkt nur mehr entsetzt hat, war die Verlogenheit, die persönliche Skandalisierung und die Verbissenheit der Diskussion. Ja, der CSD e.V. hat Fehler gemacht. Ja, ich persönlich habe Fehler gemacht. Diese Fehler hatten unterschiedliche Ursachen. Einige Fehler basierten auf zu hohen Erwartungen oder Fehleinschätzungen, etwa der Überzeugung, dass nach der ersten (erwarteten) Empörung über den Namenswechsel von CSD zu Stonewall, eine Diskussion über Inhalte, über Ziele und über die Bedeutung und Wahrnehmung der Begriffe in der Öffentlichkeit möglich sei. Andere Fehler basierten auf emotionalen Reaktionen. Die vielkritisierten Politikerfotos kamen zustande, weil jahrelange Gespräche keine Klärung oder Besserung von Missständen gebracht hatten und der allein gelassene CSD e.V. sich selbst helfen musste. Dass sich besagte Politiker dann noch heftigst in den Medien über den Verein, den Vorstand und mich persönlich ausließen, führte zur sicherlich zu emotionalen Gegenreaktion, die über das Ziel hinaus schoss. Für diese Fehler haben wir uns öffentlich (in chronologischer Reihenfolge: zuerst ich, dann einzelne Vorstandsmitglieder, denn der gesamte Vorstand) schon im Mai 2014 und seitdem wiederholt entschuldigt. Die inhaltliche Aufklärung der Vorwürfe und Beseitigung der Probleme steht aber zum Großteil noch aus.

Unsere Fehleranalyse ist öffentlich zugänglich, genauso wie unsere Finanzdaten und andere Vereinsinformationen – seit kurzem sogar gesammelt an einem Ort und möglichst niedrigschwellig für alle. Die meisten Informationen waren auch vorher verfügbar – als Pressemitteilungen, Jahresberichte, Mitgliederinfos, Jahresabschlüsse – aber nicht unbedingt auf Knopfdruck oder intuitiv zu finden und manche nur für Vereinsmitglieder zugänglich. Das hatte rein gar nichts mit Intransparenz oder Geheimhaltung zu tun, es wurde weder danach gefragt, noch hat es jemanden interessiert, wenn diese Informationen publiziert haben. Bei der letzten Bilanzpressekonferenz waren gerade einmal fünf Journalist_innen anwesend, berichtet hat einer. Bei Pressekonferenzen über CSD-Teilnehmerzahlen, Promis, Klatsch und Tratsch, Straßensperren und Parteiausschlüsse kommen zehn Mal so viele. Aus dieser Situation haben wir gelernt und stellen nun umfangreiche Infos ungefragt zur Verfügung, damit Informationsbedürfnisse einfach und eigenständig befriedigt werden können.

Das sollte zwar helfen, wird aber wahrscheinlich künftige Konflikte nicht vollständig vermeiden können. Der CSD-Streit 2014 war nämlich geprägt von einer Fülle an Themen, von sehr persönlich ausgetragenen Konflikten und einer völlig maßlosen und ungeduldigen Erwartungshaltung einiger Kritiker_innen (vor allem besagter Couch-Aktivist_innen, Blogger_innen und Facebook-Trolle). Bei den Vorwürfen zur Bereicherung, zu Verquickungen und angeblich fragwürdigen Verträgen, Geldflüssen und Interessenskonflikten gelang den Kritiker_innen mühelos die Beweislastumkehr. Nicht die Kritik musste ihre Vorwürfe untermauern, der CSD e.V., die Vorstände und ich sollten sich freibeweisen, am besten schon vorgestern, per Gutachten und notariell bestätigt, egal wie absurd die Behauptungen oder Fragen auch waren. Wir entschieden uns für eine neutrale Kommission – übrigens ein Vorschlag aus dem CSD Forum – zur Prüfung und Klärung der Vorwürfe. Es dauerte länger als wir gehofft hatten, aber zumindest konnten die Vorwürfe nun endlich mit dem Bericht der Transparenzkommission geklärt und aus dem Weg geräumt werden.

Mit der restlichen „Kritik“ – etwa an den Wagenumlagen für die Parade, der Einbindung der Community, den Umgang mit Behörden etc. verhielt es sich ähnlich und die Vorwürfe nahmen teils absurde Ausmaße an. Der Demo-Status stünde in Frage, die Behörden würden Genehmigungen verweigern, überteuerte Umlagen würden eine aufgeblähte Abschlusskundgebung finanzieren. Sponsoren hätten abgesagt. Irgendwer will sogar gerüchteweise gehört haben, dass die CSD Parade 2014 noch nicht einmal angemeldet und damit alles ein großer Betrug sei. Beweise blieb man/frau schuldig. Wozu auch, wenn doch bekannt ist, dass der Geschäftsführer des CSD e.V. Österreicher und damit von fragwürdiger Nationalität ist, eine Vorständin Anwältin, die alle Kritiker_innen im Namen des CSD mit Klagen überzieht und ein anderer Vorstand Banker, der genau weiß, wie man die angeblichen CSD Millionen an der Steuer vorbei schafft. Gegenteilige Aussagen durch die CSD-Verantwortlichen – der „Verbrecher beim CSD e.V.“ (O-Ton Facebook) – wurden entweder als Nebelkerzen oder als Lüge abgekanzelt. Bei solch erdrückenden Vorurteilen erübrigt sich jegliche Beweisführung. Hauptsache Anti-CSD fleißig befeuert von persönlichen Befindlich- und Eitelkeiten.

 

Lesen Sie morgen: Vergehen an der Community, Auswirkungen und Wahrnehmung…

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